Römerbrief, Kapitel elf: Wir dürfen uns auf keinen Fall über das jüdische Volk erheben!

Zunächst einmal möchte ich mitteilen, dass ich diesmal darauf verzichten möchte, meine Übersetzung des Textabschnitts direkt in diesem Artikel zu zitieren. Der Artikel würde sonst erstens zu lang und zweitens bevorzugen einige von euch vielleicht auch andere Übersetzungen und möchten sich nicht mit meinem umständlichen Schreibstil abquälen. Wer mag, findet meine Übersetzung hier. Bevor ich nun mit meiner Interpretation dieses Textabschnitts beginne, möchte ich noch darlegen, was der doch sehr abstrakt anmutende Gedanke, Jesus sei für unsere Sünden am Kreuze gestorben, für mich bedeutet.

Bevor Jesus kam, lebten die meisten heidnischen Völker nach Regeln, welche wir heute als im höchsten Maße inhuman beschreiben würden. Im Wesentlichen lassen sie sich so zusammenfassen, dass nur der erfolgreiche, siegreiche und perfekte Mensch in diesen Gesellschaften eine Würde hatte. Behinderte Kinder wurden ausgesetzt[1] und arme, nicht erwerbsfähige Menschen, wenn überhaupt nur unterstützt, um Unruhen zu vermeiden. Den Gedanken an eine grundlegende Würde aller Menschen gab es bestenfalls unter einigen Philosophen und war kaum dazu geeignet, viele Menschen zu überzeugen. Erst durch die jüdischen Diasporagemeinden, welche nach und nach im gesamten Römischen Reiche entstanden, konnten die Nichtjuden sehen, dass man auch anders mit bedürftigen Menschen umgehen konnte. Doch beschränkte sich die Solidarität der Juden nur auf Angehörige des eigenen Volkes und Nichtjuden, die die jüdische Ethik für nachahmenswert hielten, blieb letztlich nur der Übertritt zum Judentum mit allen Ge- und Verboten, welche für Menschen, die damit nicht aufgewachsen sind, durchaus abschreckend wirken können. Also musste eine Idee her, wie Nichtjuden die wesentlichen göttlichen Gesetze befolgen könnten, ohne deswegen Juden werden zu müssen. In dieser Situation sandte Gott seinen Messias Jesum das erste Mal unter die Menschen. Laut damaliger jüdischer Lehre mussten alle Sünden eines Menschen alljährlich durch die Opferung eines Bocks im Tempel in Jerusalem beglichen werden. Jesus, der Sohn Gottes, gab hingegen sein Leben, um unser aller Sünden zu begleichen – und Paulus hielt darum die durch die Propheten des Alten Testaments angekündigte Zeit für gekommen, in welcher Völker aus der ganzen Welt sich zu Israel und seinem Gott wenden und dadurch gerettet werden sollen. Daher war es für ihn wichtig, dass man auch als Nichtjude zu Gott finden könnte, ohne deshalb Jude werden zu müssen. Durch Jesu Tod und Paulus‘ Mission ist also der ethische Kernbestand der Thora, dass jedes Menschenleben heilig sei und wir darum gerade den Schwachen unserer Gesellschaft mit Liebe und Barmherzigkeit begegnen müssen, unter die Nichtjuden gekommen. Dies heißt natürlich ganz und gar nicht, dass nun alle Menschen ihre alten Laster vergessen und sich voll und ganz Gott zugewandt hätten. Dies ist auch natürlich bei weitem noch nicht das Ende von Not, Gewalt und Kriegen, weshalb die von Israels Propheten verkündigte messianische Zeit, in welcher die endgültige Heilung der Welt durch den Messias stattfinden wird, auch nur angebrochen und noch lange nicht abgeschlossen ist. Aber Jesu Wirken in der Welt war ein Anfang auf diesem Wege und jeder Mensch, der durch ihn gerettet worden ist und gerettet wird, ist ein Schritt hin zum endgültigen Himmelreich Gottes auf Erden.

Aber kommen wir zur Textinterpretation: Zwei wesentliche Aussagen lassen sich über diesen Text ziehen. Die eine betrifft vorrangig die Juden und die andere uns, die nichtjüdischen Christen. Einerseits legt Paulus hier in beeindruckender Weise Zeugnis ab über sein Verhältnis zwischen ihm und seinem Volke. Oft wird behauptet, Paulus hätte sich nach dem Damaskus-Erlebnis vom Judentum gelöst und erklärt, die Thora sei nach Jesu Tode null und nichtig. Er macht in seinen Briefen immer wieder deutlich, dass er sich nicht nur selbst als Juden sieht, sondern sehr wohl auch die Thora selbstverständlich nach wie vor als gültig erachtet, ja, sogar behauptet, nur, wer an Jesum glaubt, erfülle sie wirklich[2]. Auch nichtjüdische Anhänger Jesu müssen laut Paulus und den anderen Aposteln den ethischen Kern der Thora verinnerlichen und ihn befolgen[3]. Seine Aufgabe war die Heidenmission und doch predigte er immer zuerst in den Synagogen, wenn er in eine neue Stadt kam. Es muss ihn sehr geschmerzt haben, dass die meisten Juden seiner Lehre nicht folgen wollten. Das heißt, sie erkannten Jesum entweder nicht als Messias an oder unterstützten Paulus‘ Lehre nicht, dass auch Nichtjuden Gnade durch Jesum finden könnten und zwar ohne die Vorschriften der Thora im Detail befolgen zu müssen – für Paulus kam das letztlich aufs Selbe hinaus. Gerade dies war ein sehr heftig geführter Streit im frühen Christentum, welches nun einmal als innerjüdische Bewegung begann. Es wird in diesem Text deutlich, dass Paulus die Wiederkehr Jesu erst dann erwartet, wenn auch der letzte Jude zum Glauben an Jesum gefunden habe.

Die zweite Aussage ist für uns nichtjüdische Christen auch in der heutigen Zeit als Erinnerung und Mahnung zu betrachten: Die Juden sind und bleiben Gottes auserwähltes Volk, symbolisiert durch den Ölbaum. Da Jesus für unsere Sünden am Kreuze gestorben ist, haben nun auch wir Nichtjuden die Möglichkeit, Teil dieses Volkes zu werden und damit von der Herrschaft der Sünde befreit zu werden. Das wird aber nicht gelingen, wenn wir uns gegen die Juden wenden und damit denselben Fehler machen, wie die Juden, die zu Jesu Lebzeiten ihn nicht als Messias erkannten bzw. selbst nach seinem Tode und seiner Wiederauferstehung gegen seine Anhänger gewaltsam vorgingen. Leider ist genau das in der Geschichte des Christentums viel zu oft geschehen, weshalb gerade wir äußerst vorsichtig damit sein sollten, Juden wegen ihrer Ablehnung Jesu als Messias oder ihrem angeblich engstirnigen Gesetzesglauben[4] zu verurteilen – zumal wir es heute im großen Gegensatz zu Paulus ausschließlich mit Juden zu tun haben, die keine Möglichkeit gehabt haben, Jesu Wirken auf Erden und seine Wiederkehr von den Toten selbst miterleben zu können. Gott vergibt dem Zweifelnden und verdammt nur denjenigen, der Gottes Wirken auch dann leugnet, wenn er selbst Zeuge davon wird, was unser Herr Jesus selbst eindeutig sagte: „Wer ein Wort gegen den Sohn des Menschen sagt, dem wird vergeben werden, wer aber ein Wort gegen den Heiligen Geist sagt, dem wird nicht vergeben werden, weder in dieser Welt noch in der zukünftigen[5].“ Wir haben also, sofern dies möglich ist, noch weniger Grund, uns über nicht an Jesum glaubende Juden zu erheben, als die ersten von Paulus bekehrten nichtjüdischen Christen.

Aber zurück zu Paulus: Die Juden, die sich gegen Jesum und seine Anhänger wandten, sind durch ihre Taten zwar verdammt, aber das galt vor Jesu Tode auch für die Nichtjuden, die nur durch Jesu Tod Vergebung für ihre Sünden finden können – und dies wäre nicht möglich gewesen, wenn Jesus vorher nicht durch seine jüdischen Feinde an die Römer zur Kreuzigung ausgeliefert worden wäre. Wenn alle Juden Jesum als ihren Messias anerkannt hätten, wäre zwar ganz Israel erlöst worden, nicht aber die Nichtjuden. Also hat Gott laut Paulus einen Großteil der Juden verblendet, damit auch die Nichtjuden Erlösung finden können. Genauso, wie Gott viele Juden verblendet und viele Nichtjuden zum Glauben gebracht hat, kann er jederzeit den Spieß wieder umdrehen. Glaube ist kein Resultat unseres freien Willens, sondern kommt immer und ausschließlich von Gott. Gerade in Zeiten der Not sind wir auf Gottes Hilfe angewiesen, damit wir unseren Glauben nicht wieder verlieren. Genauso, wie wir unseren Glauben jeder Zeit verlieren können, können gerade die Juden, die noch nicht an Jesum glauben und nur um unser wegen von Jesu Erlösung ferngehalten wurden, doch noch zum Glauben finden – wofür Paulus selbst das beste Beispiel ist. Wenn die Verdammung dieser – zu Lebzeiten Jesu und Paulus‘ lebenden! – Juden notwendig war, um den Nichtjuden die Möglichkeit zu geben, sich mit Gott zu versöhnen, was muss es dann bedeuten, wenn diese Juden erneut von Gott zum Glauben geführt werden – sie waren praktisch schon tot und wurden wieder lebendig. Für mich deutet Paulus hier an, dass dies Jesu Wiederkehr ankündigen werde. Dann wird die Welt endgültig erlöst werden.

Schon jetzt haben wir, wenn wir unseren Glauben wirklich verinnerlicht und die Bibel in ihren Kernaussagen verstanden haben, mit den Juden sehr viele Dinge gemein und wir können einiges von ihnen über den Umgang mit der Schrift lernen. Wir sind mit unseren jüdischen Geschwistern in unserem Glauben vereint, dass der Messias kommen werde, um die Welt zu erlösen – wir unterscheiden uns von den nicht an Jesum glaubenden Juden lediglich dadurch, dass für uns der Messias schon einmal auf Erden gewesen ist. Auch nicht an Jesum glaubende Juden können hingegen vielleicht anerkennen, dass gerade durch Paulus‘ Wirken viele Nichtjuden[6] zum Glauben an den Gott Israels gefunden und die ethische Kernessenz der Thora verinnerlicht haben. Amen!

[1] Die ersten Berichte über Juden seitens griechischer Gelehrter nach den Eroberungen Alexanders des Großen drücken Verwunderung darüber aus, dass die Juden keines ihrer Kinder aussetzen und keine Menschenopfer darbringen. S. „Die Juden. Ein historisches Lesebuch.“ 57-59.

[2] U.a. Römer, 3:31.

[3] Dazu zählen u.a. gerade die Bestimmungen über verbotene sexuelle Beziehungen, was Paulus gerade in den Korinther-Briefen sehr eindeutig ausführt.

[4] Das Judentum ist letztlich genauso eine Gnadenreligion, wie das Christentum, auch, wenn Gläubige beider Religionen das gerne vergessen und Gott das Urteilen über ihre Mitmenschen abnehmen wollen.

[5] Matthäus 12:32.

[6] wenn auch bei weitem nicht alle, die sich selbst als Christen bezeichnen, aber das ist ein Problem aller Weltreligionen

Römer 11

Ich sage also: Hat Gott etwa sein Volk verstoßen? Das möge nicht geschehen! Denn auch ich bin Israelit, aus Abrahams Samen, dem Stamme Benjamin. Gott hat sein Volk nicht verstoßen, welches er zuvor auserwählt hatte. Oder wisst ihr nicht, was die Schrift im Buche Elijah sagt, wie Elijah Gott gegen Israel anruft? „Herr, deine Propheten haben sie getötet, deine Altäre haben sie niedergerissen und ich allein bin übrig geblieben und sie begehren auch meine Seele.“ Aber was sagt ihm die göttliche Antwort? „Ich habe mir siebentausend Männer übrigbehalten, die das Knie nicht vor Baal gebeugt haben.“ Selbiges gilt auch für die heutige Zeit: Ein Rest nach der Auswahl der Gnade ist entstanden. Wenn dies aber durch Gnade, dann nicht aufgrund von Werken, da sonst die Gnade nicht mehr Gnade wäre. Was dann? Was erstrebt Israel, was es nicht erlangt hat? Aber die Auserwählten haben es erlangt. Die Übrigen aber sind verstockt worden, so, wie geschrieben steht: „Gott hat ihnen einen Geist der Betäubung gegeben, Augen, dass sie nicht sehen und Ohren, dass sie nicht hören, bis zum heutigen Tage.“ David sagt: „Es werde ihr Tisch ihnen zur Schlinge, zum Fangnetz, zum Fallstrick und zur Wiedervergeltung, ihre Augen mögen verfinstert werden, damit sie nicht sehen und ihr Rücken für alle Zeit gebeugt sei.“

Ich sage also: Haben sie etwa gesündigt, damit sie fallen? Dies möge nicht geschehen! Aber durch ihren Fehltritt hat die Rettung der Heiden stattgefunden, was sie zur Eifersucht reizt. Wenn aber ihr Fehltritt der Reichtum der Welt und ihr Versagen der Reichtum der Heiden ist, um wie viel mehr ihre Erfüllung? Euch aber, den Heiden, sage ich in meiner Eigenschaft als Heidenapostel und meinen Dienst preise ich, damit ich vielleicht mein Fleisch eifersüchtig machen und einige von ihnen retten könne. Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was ist dann ihre Wiederannahme wenn nicht Leben aus den Toten? Wenn aber das Erstlingsbrot heilig ist, dann auch der Teig und wenn die Wurzel heilig ist, dann auch die Zweige. Wenn aber einige der Zweige ausgebrochen worden sind, du aber als wilder Ölbaum[zweig] [an diesem Baume] unter ihnen befestigt worden bist und Teilhaber der Wurzel des Safts des Ölbaums geworden bist, dann stelle dich nicht über die Zweige! Wenn du dich aber über sie stellst, [dann wisse]: Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel [trägt] dich! Du wirst nun sagen: „Die Zweige sind ausgebrochen worden, damit [Neues an dem Ölbaum] befestigt werde“. Gut! Wegen des Unglaubens sind sie ausgebrochen worden, du aber stehst fest dank des Glaubens. Denke nichts Überhebliches, sondern fürchte dich! Denn wenn Gott die Zweige gemäß der Natur nicht verschont hat, wird er vielleicht auch dich nicht verschonen. Sieh also Gottes Güte und Strenge! Einerseits die Strenge gegen die Gefallenen, andererseits Gottes Güte gegen dich, solltest du bei der Güte bleiben, da du sonst auch herausgehauen wirst. Aber jene, sollten sie nicht beim Unglauben bleiben, werden angebracht werden (am Ölbaum), denn mächtig [genug] ist Gott, sie wieder anzubringen. Denn wenn du aus dem naturgemäß wilden Ölbaum herausgehauen worden bist und widernatürlich an einen guten Ölbaum angebracht worden bist, um wie viel mehr werden naturgemäße Zweige an den eigenen Ölbaum angebracht werden.

Denn ich will nicht, dass ihr, Brüder, dieses Geheimnis nicht kennt, damit ihr nicht denkt, dass ihr klug wärt[1]. [Ich will vielmehr, dass ihr wisst,] dass Israel teilweise verstockt worden ist, bis alle Heiden angekommen seien und so ganz Israel gerettet werde, wie geschrieben steht: „Aus Zion wird der Retter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden. Und dies ist ihnen auch der Bund von mir, wenn ich ihre Sünden wegnehme.“ Zwar sind sie hinsichtlich des Evangeliums Feinde euretwegen, aber hinsichtlich der Erwählung Geliebte wegen der Väter. Unwiderruflich sind nämlich die Gnadengaben und die Berufung durch Gott. Denn wie ihr einst Gott nicht gehorchtet, jetzt aber mit Erbarmen beschenkt worden seid wegen ihres Ungehorsams, so sind auch diese jetzt ungehorsam gewesen wegen der Barmherzigkeit gegen euch, damit auch sie jetzt mit Erbarmen beschenkt werden, denn eingeschlossen hat Gott alle in Ungehorsam, um sich aller zu erbarmen.

Oh Tiefe von Reichtum, sowohl an Weisheit als auch an Gotteserkenntnis! Wie unerforschlich sind seine Gerichte und unaufspürbar seine Wege! Denn wer hat die Absicht des Herrn erkannt? Oder wer ist sein Ratgeber gewesen? Oder wer hat ihm zuvor [etwas] gegeben, sodass es ihm wiedervergolten würde? Denn von ihm und durch ihn und zu ihm ist alles. Ihm ist die Ehre für alle Ewigkeit! Amen.

[1]  Wörtlich: „damit ihr nicht bei euch selbst klug seid“

Der Rabbiner und der verlorene Geldbeutel

Heute soll lediglich eine Geschichte wiedergegeben nacherzählt werden, welche in dem Ulpan[1]-Lehrbuch stand, mit welchem wir im Modernhebräisch-Sprachkurs an der Uni arbeiteten. Ich bekenne, ich habe mir nicht die Mühe gemacht, die Geschichte nochmal rauszusuchen und zu übersetzen, obwohl es sicherlich keine schlechte Idee gewesen wäre, um mein Hebräisch nochmal ein wenig aufzufrischen. Es ist also auch durchaus möglich, dass die Wiedergabe dieser Geschichte auf diesem Blog ein wenig von meiner Fantasie angereichert werde, aber genau das ist ja eigentlich das Schöne am Geschichtenerzählen.

Die Geschichte erinnert wieder einmal daran, dass der grundlegende Gedanke der christlichen Lehre, dass wir alle sündhafte Wesen seien, die ohne Gottes Hilfe niemals zu ihm/ihr finden können, schlicht ein jüdischer Gedanke ist. Aber kommen wir endlich zur Sache:

Ein Rabbiner schaut aus dem Fenster und fragt einen zufällig vorbeilaufenden Passanten: „Wenn du einen Geldbeutel fändest, mit viel Gelde, aber auch mit einem Zettel mit der genauen Adresse des Besitzers, den du zwar nicht kenntest, von dessen Adresse du aber wüsstest, dass er in einem sehr armen Viertel wohnt und das Geld, was du vor dir hast, vermutlich alles Geld ist, was er zurzeit bar zur Verfügung hat: Würdest du ihm dann das Geld zurückbringen?“ Der Passant antwortet: „Natürlich würde ich dem armen Manne das Geld sofort vorbeibringen!“ Die Antwort des Rabbiners: „Ein Narr bist du!“ Kurz darauf fragt er einen zweiten Passanten, der das kurze Gespräch des Rabbiners mit dem ersten Passanten mitbekommen hat, dieselbe Frage. Der zweite Passant möchte auf den Rabbiner besonders schlau wirken und sagt: „Den Geldbeutel mit seinen Ausweisen würde ich dem Manne natürlich zurückgeben, aber das Geld würde ich behalten. Es ist schließlich nicht mein Problem, wenn er nicht mit Gelde umgehen kann.“ Die Antwort des Rabbiners: „Ein hartherziger Dieb bist du!“

Der Rabbiner ist schon ganz resigniert, weil er immer noch nicht die Antwort bekommen hat, welche er eigentlich hören will. Schließlich entscheidet er sich aber noch für einen letzten Versuch und fragt einen dritten Passanten. Dessen Antwort lautet: „Wie kann ich wissen, wie ich mich in solch einer Situation verhalten würde? Gewiss wäre es richtig, dem Manne das Geld wieder zurückzugeben, aber ich habe selbst nicht viel und ich habe eine große Familie zu versorgen. Ich weiß nicht, ob ich in solch einer Situation die Kraft hätte, das Geld zurückzugeben. Schließlich kenne ich diesen Mann nicht und im Gegensatz zu meiner Familie empfinde ich nichts für ihn. Aber mit Gottes Hilfe würde es mir sicherlich gelingen, das Richtige zu tun.“ Der Rabbiner: „Ein weiser Mann bist du!“

[1] Ein Ulpan ist eine Schule, in welcher jüdische Neueinwanderer in Israel Hebräisch in möglichst kurzer Zeit in Intensivkursen erlernen sollen.

Losung vom 25. Februar: Über das Gebet

Heute soll es mal um einen schon etwas älteren Losungstext gehen, nämlich dem vom 25. Februar. Oder, ganz anders gesagt, um Jesus‘ Lehre über das Gebet. Darüber lässt er sich besonders in Matthäus 6, 5-15, aus. Diese Stelle sei zunächst einmal übersetzt wiedergegeben:

„Wenn ihr betet, seid nicht wie die Heuchler, weil die es lieben, in den Synagogen und den Straßenecken stehend zu beten,  um von den Menschen gesehen zu werden. Wahrlich, ich sage euch: Sie empfangen ihren Lohn. Du aber, wenn du betest, gehe in dein Zimmer und schließe deine Türe, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dann wird der Vater, der im Verborgenen sieht, es dir vergelten. Betet aber, plappert nicht wie die Heiden. Sie denken nämlich, mithilfe ihres Wortschwalls erhört zu werden. Tut es ihnen also nicht gleich! Denn euer Vater weiß bereits, was euch fehlt, bevor ihr ihn darum bittet. Betet also so: „Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Es komme dein Reich, es geschehe dein Wille, wie im Himmel, so auf der Erde. Unser lebensnotwendiges Brot gib uns heute und vergib uns unsere Schulden, so wie auch wir unseren Schuldnern vergeben. Führe uns nicht in Versuchung, sondern bewahre uns vor dem Bösen.“ Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, wird euch auch euer himmlischer Vater vergeben. Wenn ihr den Menschen aber nicht vergebt, wird auch euer Vater nicht eure Verfehlungen vergeben.“

Was mir hierbei als erstes auffällt: Eigentlich bräuchte ich gar nicht zu beten. Gott weiß schließlich bereits, was mir fehlt, schon, bevor ich es ausspreche. Natürlich gibt es im Leben eines jeden Menschen Situationen, in welchen er sich besonders allein fühlt, vor schweren Entscheidungen steht oder große Hoffnungen an die Zukunft oder auch Ängste vor der selbigen hat. Selbst bekennende Atheisten haben mir bereits erzählt, in solchen Situationen schon zu Gott gebetet zu haben. An anderer Stelle sagt Jesus schließlich auch: „Die Gesunden bedürfen keines Arztes, sondern diejenigen, die krank sind.[1]“ Daher halte ich eine solche Interpretation durchaus für legitim. Wir brauchen nur dann zu beten, wenn es uns wirklich schlecht geht. Von festen Gebeten, welche zu grundlegenden Pflichten eines jeden Gläubigen gehörten, wie es z.B. die zweite Säule des Islam vorsieht, sagt Jesus nichts.

Jesus sagt uns hier aber aus genanntem Grunde, dass es selbst in solchen Situationen überflüssig sei, Gott genau zu sagen, worum man bitte. Erstens weiß Gott das bereits, zweitens kennen wir im Gegenzug nicht Gottes Pläne. Bereits bei Jesaja lässt Gott uns wissen: „So, wie der Himmel über der Erde ist, stehen meine Worte über euren Worten und meine Gedanken über euren Gedanken“[2]. Gottes Gedanken werden wir niemals verstehen und es ist schließlich durchaus möglich und sogar wahrscheinlich, dass Gott auf eine Weise für uns sorge, welche wir nie für möglich gehalten hätten. Für derartige Wendungen im Leben sollten wir immer offen sein und keinesfalls in Panik verfallen, wenn mal etwas nicht „nach Plan“ läuft. Im Zweifelsfalle wird man überrascht sein, auf wie vieles man verzichten kann, von dem man meinte, es niemals entbehren zu können. Nur essen und trinken sollten wir schon jeden Tag, was auch Gott klar ist. Daher können wir ihn/ sie darum wenigstens durchaus beten. Was wir sonst noch für unser Wohlbefinden brauchen, das weiß Gott viel besser als wir.

Allerdings, und das ist der springende Punkt, auf welchen es Jesus hier ankommt: Offen sein für alle Wendungen im Leben, für alles neue, was uns da begegnen mag, das können wir nur, wenn wir nicht verbittert sind und unsere Seele nicht vergiftet ist von Sehnsucht nach Dingen, welche wir nicht haben oder von Hass auf Menschen, die uns und/ oder unseren Liebsten Böses getan haben – oder auch von Hass auf sich selbst ob mangelnder Fähigkeiten, welche man glaubt, besitzen zu müssen. In einer von derartigen Gedanken vergifteten Seele ist nur Platz für Angst, aber nicht für Gott und wenn wir uns nur von unserer Angst treiben lassen, werden wir nie in der Lage sein, uns den alltäglichen Erfordernissen des Lebens so zu stellen, wie Gott das von uns erwartet, da kann Gott noch so gut für uns sorgen. Wichtig ist auch, dass man selbst immer zu den Schuldnern zählt und genauso Vergebung bedarf, wie jeder andere Mensch auch. Wenn man bedenkt, welche hohen Ansprüche Gottes Gebote, wie sie Jesus uns lehrt, an uns stellen, wird, denke ich, jeder feststellen, dass man ihnen kaum immer gerecht wird. Wenn wir unseren Mitmenschen daher das gewähren, wessen wir selbst bedürfen, kann das für uns alle nur von Vorteil sein. Und wie gesagt: Bei all dem geht es darum, dass, wenn unsere Seele vergiftet ist, Gott gar nicht in der Lage ist, uns zu helfen. Es ist nicht so, dass Gott uns dann aus reiner Bosheit strafen wollte aber wenn Gott uns helfen soll, müssen wir ihn/ sie auch erstmal in die Lage dazu versetzen.

Um aber mit sich selbst ins Reine zu kommen, allen Menschen und Umständen zu vergeben und sich furchtlos Gottes Plänen für einen stellen zu können, ist es ganz wichtig, sich nicht permanent vom alltäglichen Stress treiben zu lassen, von all dem täglichen Chaos um uns herum und unseren täglichen Pflichten. Dafür brauche wir manchmal vor allem eines: Stille. Deshalb sollen wir unser Gebet an einem ruhigen, uns vertrauten Ort verrichten, am Besten in unserem Zimmer.

Wer von euch schon einmal einen evangelischen[3] Gottesdienst besucht hat, dem werden die Worte, welche Jesus hier für das Gebet vorgibt, bekannt vorkommen. Ich bin mir aber nicht so sicher, ob man dem eigentlichen Sinne dieser Worte wirklich gerecht wird, wenn man sie nur im Rahmen einer festen Gottesdienstliturgie stur nachplappert – wie die Heiden eben. Jesus kam es doch wohl wesentlich mehr auf den Sinn der Worte an als auf ihren genauen Wortlaut. Die Gemeindemitglieder können sich somit natürlich untereinander ihrer Gottesfürchtigkeit versichern – nur eben untereinander. Um Gott selbst davon zu überzeugen, dazu braucht es schon noch ein wenig mehr.

Ich persönlich habe da natürlich auch einen sehr speziellen, eben autistischen Blickwinkel: Ich kann kaum zur inneren Einkehr finden, wenn ich permanent mit Orgelmusik und Kirchengesängen bombardiert werde. Mir persönlich gefällt der Ansatz der Quäker mit ihren stillen Andachten da wesentlich besser. Der Grundgedanke dahinter ist ja einfach, dass man sich für einen festgelegten Zeitraum gemeinsam in einen Raum zurückziehe und zusammen schweige, um gemeinsam zu Gott zu finden. Eine sehr schlichte und undogmatische Form des Gottesdienstes. Was mir bei den Quäkern fehlt, ist der vollständige Verzicht darauf, sich im Rahmen des Gottesdienstes mit der Bibel auseinanderzusetzen, aber das ist eine andere Frage. All das ist natürlich mein persönlicher Blickwinkel und mir ist klar, dass die Sache aus der Sicht und der Erfahrung anderer Menschen völlig anders aussehen kann und ich selbst sicherlich auch viele Dinge noch nicht begriffen habe. Gott wird sie mich begreifen lassen, wie und sofern ihm/ ihr das gefällt.

Karl Hollerung

[1] Lukas 5, 31. Auch eine sehr interessante Stelle, welche zu einer Interpretation einlädt.

[2] Jesaja 55, 9.

[3] Über die Gottesdienste anderer Konfessionen kann ich noch nichts sagen, da ich bisher noch keinen nichtevangelischen Gottesdienst besucht habe, abgesehen von Quäkerandachten, welche aber eben nur aus Schweigen bestehen. Ein Versäumnis, welches ich wohl noch korrigieren muss.

Losung zum Gründonnerstag: Jesus war ein Mensch und ein Freund

Heute[1] ist es mal wieder an der Zeit, ein wenig über den heutigen Losungstext zu schreiben, allerdings werde ich mir diesmal nur den Text aus dem Neuen Testament vornehmen. Es handelt sich um Markus 14:34, aber damit der Gesamtkontext deutlicher werde, habe ich alles von 33-36 übersetzt:

„Er (Jesus) nahm[2] Petrus, Jakob und Johannes mit sich und begann zu zittern und sich zu fürchten. Er sagte ihnen: „Tiefbetrübt ist meine Seele bis zum Tode, bleibt hier und passt auf!“ Nachdem er ein wenig vorausgegangen war, warf er sich auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich sei, die Stunde an ihm vorüberginge und er sagte: „Abba – Vater, alles ist dir möglich, nimm diesen Kelch[3] von mir. Doch es geschieht nicht, was ich will, sondern was du willst.“

Egal wie man zu der Frage stehe, ob Jesus nun mehr göttlich oder mehr menschlich gewesen sei[4], war er auf jeden Fall menschlich genug, um wegen seines nahenden Todes, welchen er kommen spürte, eine tiefe Verzweiflung zu empfinden. Das zeigt uns, dass er unter denselben Sorgen und Ängsten litt, wie jeder von uns und daher seine Botschaft der Liebe und Vergebung nicht von oben herab predigte, sondern als einer von uns. Jesus war kein menschlicher Gott, dem sein nahender schmerzvoller Tod am Kreuze kalt gelassen hätte. Erst recht war es ihm nicht möglich, seine Feinde durch überirdische Kräfte zu besiegen, wie es die Götter und Helden so vieler Geschichten taten. Übermenschlich scheinende Kräfte verlieh ihm Gott nur, wenn es galt, anderen Menschen zu helfen, nicht, um ihnen zu schaden oder gar zu töten, und wäre es, um sein eigenes Leben zu retten. Jesus war ein Mensch und all dem Leide, all dem Gräuel auf diesem Planeten genauso hilflos ausgesetzt, wie wir und genauso wie wir verstand auch er nicht immer Gottes Pläne und war seiner/ ihrer Allmacht letztlich schutzlos ausgeliefert.

Mir zeigt diese Geschichte, dass Jesus ein von Gottes Liebe erfüllter Freund und Lehrer ist, der mir zeigen kann, ein besserer Mensch zu werden und eben kein Gott, vor dem ich im Staube knien müsste. Dies wird letztlich in der ganzen Passionsgeschichte in allen vier Evangelien sehr deutlich, aber ich hielt die Gelegenheit angesichts der heutigen Losung zum Gründonnerstag für günstig, um das anhand dieses konkreten Beispiels zu zeigen.

Karl Hollerung

[1] Isländische Zeit 😉

[2] Im Original wird mit παραλαμβάνει eine Präsensform verwendet, aber es ist im Deutschen äußerst unschön, permanent zwischen den Zeitformen zu wechseln, weshalb ich es vorgezogen habe, im Präteritum zu bleiben. Der permanente Wechsel zwischen Präsens und Präteritum scheint ein Stilmittel zu sein, welches zumindest Markus öfters verwendet, denn es zieht sich auch durch den späteren Text.

[3] Dieses Schicksal

[4] Ich persönlich denke, Jesus war nicht göttlicher als jedes andere Lebewesen, welches Gott erschaffen hat, auch.

Losung vom heutigen Sonntag, dem 13. März 2016: Auf Gottes Urteil vertrauen

Mich hat die heutige Losung[1] sehr zum Nachdenken angeregt und ich habe mir daher gedacht, darüber einen Blogartikel zu schreiben, allein schon, um meine Gedanken dazu zu sortieren. Möglicherweise mache ich das in Zukunft öfters, wenn Losungstexte mich sehr zum Nachdenken anregen und ich die Zeit dafür habe (sonst eventuell auch einige Tage nach dem eigentlichen Tage der Losung).

Als erstes werde ich sie übersetzen, und zwar nicht nur die Ausschnitte, welche in der Losung stehen, sondern die kompletten Abschnitte, in welchen sie stehen. Anschließend werde ich meine Gedanken dazu zusammentragen.

Der Losungstext aus dem Tenach[2] ist Jeremia 11, 20: „[3]יהוה der Heerscharen, der du gerecht richtest und sowohl Niere als auch Herz prüfst, ich will deine Rache über sie sehen, weil ich dir meinen Rechtsstreit anvertraue.“

Der Losungstext aus dem NT lautet 1. Petrus 21 und 23, wobei ich der Vollständigkeit halber auch gleich 22 mit übersetze: „Denn dazu seid ihr berufen worden, weil auch Christus für euch litt, wobei er euch ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Spuren folgt. Er beging keine Sünden und in seinem Munde wurde nie eine Lüge gefunden. Er beleidigte niemanden, obwohl er selbst beleidigt wurde. Er drohte niemandem, obwohl er litt. Er überließ dies dem gerechten Richter.“

Bereits aus dem Tenach-Text geht hervor, dass Jeremiah die Rache an seinen Feinden nicht selbst vornehmen will, sondern dies lieber Gott überlässt. An der Schuld von Jeremiahs Konfliktpartnern besteht jedoch kein Zweifel. Es handelt sich bei diesen Konfliktpartnern nämlich mal wieder um das Volk Israel, welches den kanaanitischen Göttern, allen voran Baal, huldigt, obwohl es die Botschaft des einen Gottes sehr wohl kennt. In der Bibel werden jene, die Gottes Botschaft kennen und sie dennoch nicht befolgen, besonders hart bestraft, so auch in diesem Falle. Jeremiah weiß darum um Gottes Strafgericht für sein Volk und sieht daher keinen Anlass, es selbst zu bestrafen. Was anderes bleibt ihm eigentlich auch gar nicht übrig, wenn er Gottes Gesetzen treu bleiben will. Wenn ein ganzes Volk verstockt ist, was kann ein Einzelner dagegen ausrichten? Es besteht aber in solch einer aussichtslosen Situation immer die Gefahr, zu verbittern und den Glauben an Gott angesichts dieses ganzen Übels unter den Menschen zu verlieren. Jeremiah wiedersteht dieser Versuchung aber, indem er sich ganz auf Gott verlässt und darauf vertraut, dass seine Strafe über das Volk komme und es so vielleicht läutere. Am Ende passiert genau das, allerdings in einem schlimmerem Ausmaße, welches auch für Jeremia nur schwer zu verkraften ist: Auch er beklagt die Zerstörung des Tempels durch die Babylonier und die Verschleppung eines Großteils des Volkes nach Babylon bitterlich, nachdem er vorher alle Verfolgungen, welche er durch seine Landsleute ob seiner unbequemen Prophezeiungen erleiden musste, brav durchlitt und Gottes Auftrag, dem Volke seine Botschaft zu übermitteln, trotzdem treu ausführte. Aber was auf den Zeitgenossen Jeremiah so grauenhaft wirkte, sollte sich auf das Volk Israel schließlich gut auswirken: Erst durch das Babylonische Exil wurde es nämlich wirklich zu einem wirklich monotheistischen Volke und ließ die kanaanitischen Götter hinter sich. Die Strafe Gottes war in all ihrer Grausamkeit notwendig, um das, was Jeremiah sich erträumt hatte, Wirklichkeit werden zu lassen.

Selbiges gilt auch für Jesus: Auch er verbitterte nicht ob der Verstocktheit seiner Mitmenschen, sondern predigte ihnen treu Gottes Wort. Selbst am Kreuze beklagte er sich nur bei Gott direkt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen[4]. Es kam ihm aber selbst bei den unfassbar brutalen Qualen, welche er durchlitt, nicht in den Sinn, die Menschen, die ihm das antaten, zu verfluchen, sondern er erbat im Gegenteil sogar Gottes Vergebung für sie, da sie nicht wüssten, was sie täten[5]. Gerade, weil er die Beleidigungen und Drohungen seiner Mitmenschen mit Würde und Gottvertrauen ertrug, konnte er mit seiner Botschaft der Liebe Gottes so viele Menschen erreichen und damit Gottes Auftrag erfüllen. Petrus verlangt genau dasselbe Gottvertrauen auch von seinen Anhängern.

Und genau das muss bis heute von allen Menschen, denen Gottes Botschaft wichtig ist, verlangt werden: Auch angesichts der schlimmsten Umstände und der grausamsten Mitmenschen dürfen wir nicht verzweifeln, sondern wir müssen stark bleiben und für unsere Mitmenschen da sein. Wenn uns das gelingt, dienen wir somit als Vorbild für andere Menschen und je mehr Menschen sich aus freien Stücken dazu entschließen, Gottes Botschaft zu vertrauen, desto besser. Was wir aber auf keinen Fall dürfen, ist, uns gegen die Menschen zu wenden, denen Gottes Botschaft nicht nur gleichgültig ist, sondern die sich auch gegen uns und andere Menschen wenden und ihnen Gewalt antun. Wir dürfen darauf nicht mit Gegengewalt reagieren (außer, es gehe um unmittelbare Selbstverteidigung), sondern sind aufgefordert, Gott das Urteil über diese Menschen zu überlassen, auch, wenn Gottes Urteil manchmal furchtbar ist und auch Unschuldige trifft. Aber am Ende hat er mit dem babylonischen Exil aus den Juden endgültig sein Volk gemacht und auf den Zweiten Weltkrieg und die Shoah folgte die bislang längste Friedensperiode in der europäischen Geschichte[6] sowie die Gründung des Staates Israel, welcher mit einer beispiellosen Humanität selbst seinen schlimmsten Feinden gegenüber als leuchtende Insel  in einem immer brutaler werdenden Nahen Osten erscheint. Es ist also nicht vergebens, uns auf Gott zu verlassen und letztlich bleibt uns eben nichts anderes übrig, denn rächen wir uns selbst an unseren Peinigern, werden wir früher oder später zwangsläufig, ohne es zu merken, abscheuliche Dinge tun, ob derer Gott uns ebenfalls richten wird.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum wir uns nicht selbst über unsere Mitmenschen erheben dürfen: Wir wissen schlichtweg nicht, warum sie so handeln, wie sie handeln. Jedenfalls wissen wir das längst nicht so gut wie Gott, denn wir beurteilen andere Menschen immer mehr oder weniger oberflächlich. Nur Gott allein kennt die Motive der Menschen wirklich im Detail. Der Mensch sieht seinem Gegenüber ins Auge[7], Gott aber sieht ins Herz[8]. Was gibt uns also das Recht, unser Urteil über Gottes Urteil zu stellen, ein Urteil, welchem wir uns auch selbst permanent stellen müssen.

Karl Hollerung

[1] Dank der isländischen Uhrzeit darf ich das nach wie vor so schreiben J

[2] Hebräische Abkürzung für „Tora, Nevi’im (Propheten) und Ketuwim (Schriften)“, die jüdische Bezeichnung für das Alte Testament, welche ich vorziehe, da ich es vermeide, den Tenach dem Neuen Testament unterzuordnen.

[3] Da unklar ist, wie man den Gottesnamen der hebräischen Bibel aussprechen und übersetzen soll, belasse ich es einfach bei der ursprünglichen Form.

[4] U.a. Markus 15:34

[5] Lukas 23:34

[6] Auch, wenn diese sich derzeit wohl dem Ende zuneigt, aber vielleicht kommt es ja doch noch anders, als man denkt, auch wenn ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie.

[7] Sofern er nicht blind oder autistisch ist, aber derartige Feinheiten waren den Verfassern des Tenachs natürlich nicht bewusst.

[8] 1. Samuel 16, 7

Ávinningur giftingarmiðlara

Núna er ég loksins búinn að finna rómantiska hæfileika minn, haldið þið líklega. Í þessum texta ætla ég nefnilega að skrifa um leið hvernig hjónabönd eða aðrir mátar af samböndum (í rest textans er bara orðið „sambúð“ notað) geta orðið til, sem eru sæl fyrir báða makana og haldast í rest lífs þeirra. Það er því miður ekki sjálfsagt: Á Íslandi var skilnaðartíðni 2010 um 36,4%[1] og í Þýskalandi meira að segja fimtíu(!) prósent[2]. Gott sambúð er nefnilega ekki bara háð rómantík og ást og það er vandamál að mjög manneskur í vestlægum löndum meina það. Þess vegna ætla ég að skrifa fyrst eitthvað um mismunandi máta að finna maka, áður en ég ætla að skrifa um hvernig giftingarmiðlara geta leyst þessu vandamáli.

 

Mátar og möguleg vandamál að finna maka

Í fyrri tíðum – í óvestlægum menningum er það að hluta líka í dag svona – réðu fjölskyldurnar maka barna þeirra, að hluta líka með hjálp faglegra giftingarmiðlara. Tækifæri barnanna að velja sér maka sinn sjálf var – ef fyrirliggjandi – mjög skert. Það var líka óvenjulegt eða óhugsandi að búa sem einhleypingur en fólkið vantreysti líka óskynsamlegri tilfinningu og ást og vildi helst ráðgera hjónabönd[3]. Það virtist vera best fyrir alla og penningur og félagslegur staður voru oftast mikilvægri en ást.

En í dag leitar sérhver sjálfur að maka og einstaka ástæðan að velja maka er oftast sú að vera ástfanginn af honum. Finni maður ekki maka er hann bara einhleypingur og kannski reynir hann að finna maka í netinu. Það er í dag ekki vandamál eins og líka að sambúðir búi saman án þess að vera gift. Þessi þróun er líka með ávinninga og galla. Það er auðvitað gott ef maður getur valið ef og ef já með hverjum hann vilji lífa saman. En það er vandamál ef hann ákveður það bara vegna óskynsamlegrar og óstöðugrar tilfinningar og ástar[4]. Í gamla daga voru manneskjurnar kannski oftast rangar en þær voru bara réttar í vantrausti þeirra um ástina. Ástin gerir maður nefnilega oftast ekki að hugsa rökréttur. Hún er í upphafinu ekki meiri en mjög sterkur máti af kynferðislegri fýsn. Auðvitað er það hægt að hún þroskist að þessum máta af ást sem er nauðsynleg fyrir stöðugt og sælt samband en það gerist mjög oft ekki. Besta sönnun fyrir það er skilnaðartíðnin í Þýskalandi[5] og enginn veit hve mörg fleiri hjón forðast bara vegna kostnaðarins að leysa upp hjónaband þeirra. Það sýnir okkur skýr að það er eitthvað rangt með því hvernig fólkið hugsar í dag um sambúðir. Bara vegna þess að ég er ástfanginn af konu þarf það því miður alls ekki að þýða að hún sé fullkomni makinn fyrir mig.

En það er ennþá vandamál með hvernir fólk í dag hugsar um sambúðir: Mörgum manneskjum eins og mér sjálfum finnst það mjög erfitt að finna maka sjálfar. Ég til dæmis sem er einhverfur veit varla eitthvað um óskrifaðar félagslegar reglur og samskipti án orða. Þess vegna hef ég oft séð í lífi mínu að skoðun mín um hvernig maður finni maka var bara röng og einföld og að ég veit ekkert um það. Í leitinni að maka fer maðurinn með verka hlutverkinu og það er þess vegna alls ekki gott ef maðurinn veit ekkert neitt um það hvernig hann geti hafið samband með konunni í leið sem er samþykkt í samfélaginu. Auk þess kynnast makar sér í dag oftast í partíum og öðrum hátíðum en þarna er það bara of hávær fyrir einhverfa[6] og það er þess vegna ekki hægt þarna að tala við einhvern á háu plani. Þetta vandamál hef ég ekki bara sjálfur heldur það er dæmigert fyrir karlmannlega einhverfa. Fyrir Kvenlega einhverfa er það vandamál ekki svo vont af því að konur eru oftast betri í samskiptum án orða og það gildir líka fyrir kvenlega einhverfa. Þær hafa einnig ávinninginn að vera ávarpaðar, anstæða karlmannlegra einhverfra. En margir kvenlegir einhverfir virðist draga sálsjúka menn galdlega að sér. Sambúðir sem verða til svona mistakast oftast í mjög vondum máta fyrir báða maka. Líka kvenlega einhverfa vantar mikilvæga félagslega hæfileika, nefnilega oftast sú að meta mögulegan maka nág vel.

En það eru mjög meiri ástæður til af hverju það getur verið erfitt fyrir manneskjur að finna maka sjálfar. Það geta verið meðal annars fatlanir (einhverfa er bara ein af þeim), geðsjúkdómar, vondar reynslur eða líka bara að búa á mjög afskekktum stað. Vandamál getur líka verið að hafa ekki nágan tíma fyrir að leita maka. Sérstaklega einstæðir foreldrar hafa það vandamál og þeir vantreysta einnig möguleikum mökum sem verða ekki bara að hæfa þeim heldur líka börnum þeirra. Sérstaklega netið er fullt af svikörum sem segjast vera einhleypir en eru í raun giftir og bara að leita að spennandi framhjáhaldi. Ég lýsti bara dæminu einhverfa ítarlegar því að ég er einhverfur sjálfur og hef þess vegna mikla reynslu um þetta þema.

 

Ávinningur giftingarmiðlara

Giftingarmiðlari sem ynni vel gæti sérstaklega hjálpað þeim manneskjum sem hafa vandamál að finna maka. Í bandaríkjunum[7] og Ísrael eru í raun giftingarmiðlara til sem hjálpa meðal annars fötluðum og einstæðum foreldrum að finna hæfilegan maka. Það kostar auðvitað eitthvað, í bandaríkjunum flest um tvö þúsund dollara. Giftingarmiðlarinn þarf auðvitað að lifa á einhverju og það ábyrgist líka að bara persónur fari til giftingarmiðlarans sem eru í raun að leita maka og ekki framhjáhalds.

Fyrst er persónulegt viðtal á milli giftingarmiðlarans og kúnna hennar[8] svo að hún geti kynnst honum vel. Hún talar við hann um áhugamál hans, hvernig möguleikir makar skyldu vera og koll af kolli. Á eftir færir hún gögnin hans í gagnabanka með gögnum allra kúnna hennar og leita í honum eftir hæfilegan maka fyrir hann. Sé hún búin að finna tvo kúnna sem gætu hæft sem makar býður hún þeim í persónulegan fund sem er leitt af henni. Með hyggnum spurningum sýnir hún kúnnunum vandamál sem gætu verið til í mögulegri sambúð á milli þeirra. Það geta verið meðal annars einhver dálæti, fyrri sambúðir sem mistókust, sálræn vandamál koll af kolli. Það er mikilvægt að þessar spurningar komi snemma í ljós svo að kúnnarnir geti ákveðið hvort sambúð á milli þeirra sé hægt eða ekki og svo að líkindin að sambúðin mistakist eftir einhverjum árum séu svo lág og það getur verið. Það er sjálfsagt líka mikilvægt að kúnnarnir séu ekki kynnt bara svartsýnt. Hérna verður giftingarmiðlarinn að halda jafnvæginu. En kúnni verður auðvitað líka að vera ekki of hégómlegur og að kunna að gagnrýna hann sálfan en ef maður getur það ekki er það varla hægt fyrir hann að lífa í sambúð.

Eftir viðtalið ákveða kúnnarnir hvort þeir vilji hafa ennþá samband eða ekki. Það er einnig hægt og líka líklega að kúnni kynnist mjög öðrum kúnnum áður en hann finnur hæfilegan maka. Kúnni þarf að hafa mikla biðlund og það getur tekið einhver ár en markið er allténd sambúð sem haldi fyrir rest lifsins.

Ég fann í netinu það brot heimildaþáttarins „Do You Believe in Love?“ sem þið getið horft á hérna[9]. Í þessum þætti er sýnt vinna ísraelska giftingarmiðlarans Tovu Shamsion í eitt ár. Hún  er sérfræðingur að miðla fötluðu fólki og hún segist meðal annars trúa ekki á ást. Það hljómar fyrst skrítið fyrir giftingarmiðlarann en er bara rögrétt ef maður hugsar um það tvisvar: Ef hún tryði á þessa rómantisku ást hvernig fólk í vestlægum löndum gerir þyrfti hún að leita annars starfs af því að hún þyrfti þá að halda að sérhver myndi finna sönnu ástina ef hann bíði bara nágan tíma. Í staðinn heldur hún að í góðri sambúð sé það mjög mikilvægra en ást að báðir makar séu sáttfúsar. Ég held að hún sé bara rétt[10].

Í þessu broti er Tova sýnt á meðan hún leiðir slikan fund af tveimur kúnnum hennar. Hérna og í öðrum brotum þessa heimildaþáttar getur maður séð að sumir af fötluðum sem eru miðlaðir af henni hefðu líklega ekki fundið neinn maka án hennar. Lifið er nág erfitt fyrir fatlað fólk, af hverju skyldi það auk þess að afsala sér sælli sambúð? En ekki bara fyrir fatlaða væru giftingarmiðlarar mikilvægir, heldur líka fyrir

  1. Einstæðir foreldrar: Eins og ég skrifaði fyrir ofan er það líka fyrir þá fýsilegt að finna góðan maka sem getur hjálpað honum að ala börnin upp.
  2. Fyrir manneskjur sem vilja ekki verða blindar vegna ástar. Líka fyrir maka sem eru nýastfangnir gæti fundur með giftingarmiðlara hjálpsamur að búa til stöðuga sambúð.
  3. Ef einhver er ástfanginn af einhverjum og veit ekki hvernig hann hafa samband með honum, gæti giftingarmiðlari líka hjálpað.
  4. Koll af kolli.

Ég vona að ég hafi getið sýnt að giftingarmiðlarar skyldu ekki bara vera til í Ísrael og Bandaríkjunum.

[1] http://www.visir.is/foreldrasamvinna-lagmarkar-skadleg-ahrif-skilnadar-a-born/article/2014140119986

[2] http://www.welt.de/politik/deutschland/article111470452/Die-Ehe-hat-nur-noch-eine-Fifty-fifty-Chance.html

[3] Mér finnst það mjög skrítið að fólk hugsaði einmitt í tíð sem það hugsaði mjög óskynsamlegra en í dag mjög skynsamlegra um þema hjónabandsins.

[4] Ég meina hérna bara rómantisku ástina og veit auövitað að meiri tegundir ástarinnar eru til. Ég skrifaði um þetta þema í greininni „um þróun ástarinnar“ sem er líka til á þessu bloggi.

[5] Ég skrifaði um hana í upphafi textans.

[6] Nema kannski þeir séu fullir. Ég held í raun að vín gæti svolítið hjálpað hérna en mér finnst vín og piss. Svo er það varla hjálp fyrir mig.

[7] Sjá líka þessa grein um giftingarmiðlara í bandarikjunum: http://www.nytimes.com/2007/09/30/fashion/weddings/30FIELD.html?pagewanted=1&ei=5087&em&en=2dc829b24a2e2e75&ex=1191297600&_r=0

[8] Ég held að hæfileikarnir sem maður þarf til þess að vera góður giftingarmiðlari séu mjög oftar til hjá konum en hjá mönnum.

[9] Bara ef einhver ykkar kann hebresku: Hérna er meðal annars það brott með hebreskum texta: https://www.youtube.com/watch?v=d4vzcZps-pE

[10] Þótt sambúð geti auðvitað líka ekki verið fullkomlega án ástar.